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Lucian Blaga

Das Experiment und der mathematische Geist 

ISBN: 978-3-7003-1993-1
Umfang: 230 Seiten
Einband: Paperback
Ersch.datum: April 2017
Reihe: Blickpunkt Rumänien , Band 3

 32.00

Thematisch gehört dieses Buch zu Lucian Blagas Wissenschaftstheorie mit wissenschaftsgeschichtlichem Schwerpunkt. Dem Titel entsprechend wird die Rolle des Experiments in der antiken, vor allem aber auch in der neuzeitlichen, von Galilei und Newton geprägten Naturlehre diskutiert. Blaga hält sich dabei in der Darstellung des Problems an zwei Linien, die sich seit der Antike durch die gesamte Geistesgeschichte in etlichen Varianten durchziehen: Die Statik des Seins und die Dynamik des Werdens, wobei unter der ersten Linie die geometrisierende Denkweise Platons, unter der zweiten die Bewegungslehre des Aristoteles verstanden werden kann. Was die Stellung des Experiments, d.h. der Erfahrung bzw. Empirie anlangt, gilt nach allgemeiner Auffassung bis zum Beginn der Neuzeit Aristoteles als der führende Kopf. Demnach unterscheidet Blaga in der Entwicklung des Experiments die noch nicht mathematisch abgefasste Naturlehre des Aristoteles, deren Intuitivität sogar noch bei Goethe anzutreffen ist, von der durchmathematisierten Naturerfahrung Galileis und Newtons. Diese brachte es bis zur präzisen Formulierung von Naturgesetzen, was Aristoteles noch nicht gelungen sei. Nach der Auffassung Blagas werde in der Physik Galileis und Newtons, im Unterschied zu Aristoteles, das Experiment mathematisch gelenkt, um entsprechende Berechnungen anstellen zu können. Die empirisch geprüften Naturabläufe unterliegen dabei einem Determinismus. Die Infragestellung dieses Determinismus durch die Quantentheorie behandelt Blaga ausführlich und stellt die interessante These auf, dass die statistische Quantenphysik einen Kompromiss zwischen der Galilei-Newton-Physik und der Empirie des Aristoteles darstellt. Einerseits unterliege die Quantenphysik dem Ideal der Mathematizität, andererseits könne sie wie bei Aristoteles nur “empirische Regelmäßigkeiten” mit Wahrscheinlichkeitscharakter feststellen. Hätte Aristoteles, so Blaga, die Wahrscheinlichkeitsrechnung gekannt, wäre er zu statistisch formulierten Gesetzen gelangt.

Aufgrund all seiner Überlegungen erweist sich Blagas Text als anschlussfähig an den wissenschaftsgeschichtlichen Diskurs, der beispielsweise mit den Namen Ernst Cassirer, Paul Feyerabend, Alexandre Koyré, Thomas Kuhn, Alistair Crombie verbunden ist. Der Text stellt nicht nur eine rumänische Denkerpersönlichkeit vor, sondern enthält auch wertvolle Anregungen für den westlichen Wissenschaftsdiskurs.

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(QDTM) Philosophie des Geistes

Thematisch gehört dieses Buch zu Lucian Blagas Wissenschaftstheorie mit wissenschaftsgeschichtlichem Schwerpunkt. Dem Titel entsprechend wird die Rolle des Experiments in der antiken, vor allem aber auch in der neuzeitlichen, von Galilei und Newton geprägten Naturlehre diskutiert. Blaga hält sich dabei in der Darstellung des Problems an zwei Linien, die sich seit der Antike durch die gesamte Geistesgeschichte in etlichen Varianten durchziehen: Die Statik des Seins und die Dynamik des Werdens, wobei unter der ersten Linie die geometrisierende Denkweise Platons, unter der zweiten die Bewegungslehre des Aristoteles verstanden werden kann. Was die Stellung des Experiments, d.h. der Erfahrung bzw. Empirie anlangt, gilt nach allgemeiner Auffassung bis zum Beginn der Neuzeit Aristoteles als der führende Kopf. Demnach unterscheidet Blaga in der Entwicklung des Experiments die noch nicht mathematisch abgefasste Naturlehre des Aristoteles, deren Intuitivität sogar noch bei Goethe anzutreffen ist, von der durchmathematisierten Naturerfahrung Galileis und Newtons. Diese brachte es bis zur präzisen Formulierung von Naturgesetzen, was Aristoteles noch nicht gelungen sei. Nach der Auffassung Blagas werde in der Physik Galileis und Newtons, im Unterschied zu Aristoteles, das Experiment mathematisch gelenkt, um entsprechende Berechnungen anstellen zu können. Die empirisch geprüften Naturabläufe unterliegen dabei einem Determinismus. Die Infragestellung dieses Determinismus durch die Quantentheorie behandelt Blaga ausführlich und stellt die interessante These auf, dass die statistische Quantenphysik einen Kompromiss zwischen der Galilei-Newton-Physik und der Empirie des Aristoteles darstellt. Einerseits unterliege die Quantenphysik dem Ideal der Mathematizität, andererseits könne sie wie bei Aristoteles nur “empirische Regelmäßigkeiten” mit Wahrscheinlichkeitscharakter feststellen. Hätte Aristoteles, so Blaga, die Wahrscheinlichkeitsrechnung gekannt, wäre er zu statistisch formulierten Gesetzen gelangt.

Aufgrund all seiner Überlegungen erweist sich Blagas Text als anschlussfähig an den wissenschaftsgeschichtlichen Diskurs, der beispielsweise mit den Namen Ernst Cassirer, Paul Feyerabend, Alexandre Koyré, Thomas Kuhn, Alistair Crombie verbunden ist. Der Text stellt nicht nur eine rumänische Denkerpersönlichkeit vor, sondern enthält auch wertvolle Anregungen für den westlichen Wissenschaftsdiskurs.