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Black , Peter; Rásky, Béla; Windsperger, Marianne (Hrsg.)

Mittäterschaft in Osteuropa im Zweiten Weltkrieg und im Holocaust / Collaboration in Eastern Europe during World War II and the Holocaust 

ISBN: 978-3-7003-2073-9
Umfang: 330 Seiten
Einband: Paperback
Ersch.datum: Mai 2019
Reihe: Beiträge zur Holocaustforschung des Wiener Wiesenthal Instituts für Holocaust-Studien (VWI) , Band 7

 26.00

Die großen europäischen Nachkriegserzählungen fußten auf dem mutigen und nicht zu verleugnenden Widerstand, der Resistenza, der Résistance, dem Odboj oder den lokalen Aufständen, der Povstanie gegen NS-Okkupation und Faschismus. Komplizenschaft und Kollaboration wurden einfach in Abrede gestellt: Die österreichische Opferthese ist dafür nur ein prägnantes, im europäischen Vergleich aber nicht einzigartiges Beispiel. Zaghaft und spät wurden ab den 1980er-Jahren in Westeuropa Fragen einer Mitverantwortung, Kollaboration und vor allem Mittäterschaft an der Judenverfolgung und Vernichtung gestellt. Die Impulse kamen häufig von außen, von Historikern und Forschern, die nicht in nationalen Forschungsseilschaften und –traditionen verstrickt waren, die einen unvoreingenommenen Blick auf die post-faschistischen Gesellschaften Westeuropas werfen konnten.
Allein jenseits des Eisernen Vorhangs gestaltete sich diese Auseinandersetzung noch schwieriger: Die Zivilbevölkerungen dort – zum Teil auch Opfer jenes rassistisch motivierten Vernichtungskrieges, der sich in erster Linie gegen die jüdische Bevölkerung richtete – hatten ja unter der NS-Besatzung unvergleichlich mehr zu leiden gehabt als jene in West- und Nordeuropa. Dies rückte nach 1945 zum einen die Erinnerung an den Widerstand, an die Partisanen und Untergrundkämpfer noch mehr als im Westen des Kontinents in den Fokus, zum anderen verhinderte aber eine zensurierte und von den KP-Regimen gesteuerte Geschichtspolitik gezielt jede über den antifaschistischen Mythos hinausgehende Auseinandersetzung mit der Ermordung der Juden, Roma und Sinti.
Auch die Wende um 1990 erleichterte weder den Gesellschaften noch den Historikern Ost- und Ostmitteleuropas eine Klärung der unmittelbaren Vergangenheit, waren sie doch mit jenen Fragen, denen sich die demokratischen Gesellschaften Westeuropas schon spät und zögerlich gestellt hatten, gleich doppelt konfrontiert. In Osteuropa mussten die Narrative bezüglich der faschistischen Periode, aber auch des Kommunismus (sowie die Frage der Kollaboration mit beiden Systemen) zeitgleich überprüft und umgeschrieben werden.
Die teils englischen, teils deutschen Beiträge der gemeinsam vom Wiener Wiesenthal Institut für Holocaust Studien (VWI) und vom Center for Advanced Holocaust Studies des United States Holocaust Memorial Museum organisierten Konferenz versuchten, eine Bilanz der neueren Forschungen zu Komplizenschaft und Kollaboration im NS-besetzten und mit NS-Deutschland
verbündeten Osteuropa zu ziehen – vor dem Hintergrund der westeuropäischen, durchaus widersprüchlichen und kontroversiellen Erfahrungen.

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(NHTZ1) Der Holocaust
(1DT) Osteuropa

Die großen europäischen Nachkriegserzählungen fußten auf dem mutigen und nicht zu verleugnenden Widerstand, der Resistenza, der Résistance, dem Odboj oder den lokalen Aufständen, der Povstanie gegen NS-Okkupation und Faschismus. Komplizenschaft und Kollaboration wurden einfach in Abrede gestellt: Die österreichische Opferthese ist dafür nur ein prägnantes, im europäischen Vergleich aber nicht einzigartiges Beispiel. Zaghaft und spät wurden ab den 1980er-Jahren in Westeuropa Fragen einer Mitverantwortung, Kollaboration und vor allem Mittäterschaft an der Judenverfolgung und Vernichtung gestellt. Die Impulse kamen häufig von außen, von Historikern und Forschern, die nicht in nationalen Forschungsseilschaften und –traditionen verstrickt waren, die einen unvoreingenommenen Blick auf die post-faschistischen Gesellschaften Westeuropas werfen konnten.
Allein jenseits des Eisernen Vorhangs gestaltete sich diese Auseinandersetzung noch schwieriger: Die Zivilbevölkerungen dort – zum Teil auch Opfer jenes rassistisch motivierten Vernichtungskrieges, der sich in erster Linie gegen die jüdische Bevölkerung richtete – hatten ja unter der NS-Besatzung unvergleichlich mehr zu leiden gehabt als jene in West- und Nordeuropa. Dies rückte nach 1945 zum einen die Erinnerung an den Widerstand, an die Partisanen und Untergrundkämpfer noch mehr als im Westen des Kontinents in den Fokus, zum anderen verhinderte aber eine zensurierte und von den KP-Regimen gesteuerte Geschichtspolitik gezielt jede über den antifaschistischen Mythos hinausgehende Auseinandersetzung mit der Ermordung der Juden, Roma und Sinti.
Auch die Wende um 1990 erleichterte weder den Gesellschaften noch den Historikern Ost- und Ostmitteleuropas eine Klärung der unmittelbaren Vergangenheit, waren sie doch mit jenen Fragen, denen sich die demokratischen Gesellschaften Westeuropas schon spät und zögerlich gestellt hatten, gleich doppelt konfrontiert. In Osteuropa mussten die Narrative bezüglich der faschistischen Periode, aber auch des Kommunismus (sowie die Frage der Kollaboration mit beiden Systemen) zeitgleich überprüft und umgeschrieben werden.
Die teils englischen, teils deutschen Beiträge der gemeinsam vom Wiener Wiesenthal Institut für Holocaust Studien (VWI) und vom Center for Advanced Holocaust Studies des United States Holocaust Memorial Museum organisierten Konferenz versuchten, eine Bilanz der neueren Forschungen zu Komplizenschaft und Kollaboration im NS-besetzten und mit NS-Deutschland
verbündeten Osteuropa zu ziehen – vor dem Hintergrund der westeuropäischen, durchaus widersprüchlichen und kontroversiellen Erfahrungen.